Kosmische Perspektiven

Wie wird das enden?

Mein intensives Lesen über all die Sachverhalte, die ich in "Einstein sagt .." angesprochen habe, endete etwa 2001, einerseits wegen Zeitmangels, aber vor allem aus Frustration. Die Erkenntnisse, die ich mit jedem neu gelesenen Buch dazugewann, nahmen proportional ab. Zuletzt las ich immer neuere Ergänzungen zu Theorien und immer abstrusere Konstruktionen, die mir auf meiner Suche nach INHALT nicht mehr weiterhalfen. Eigentlich trieb mich in der ganzen "Studienzeit" nicht so sehr der Wunsch nach wissenschaftlicher Erkenntnis, sondern vielmehr die Suche nach irgendeinem tieferen geistigen Hintergrund unserer fragwürdigen Existenz.

Seit mir mein kindlicher Glaube abhanden gekommen ist, habe ich in der Welt nie mehr eine geistige Heimat gefunden. Aber ich habe vieles gelesen, erlebt und erfahren: ein atemberaubend schönes und widerwärtiges abstraktes Mosaik aus leuchtenden Farben und verfaulten Gerüchen, dessen tieferer Sinn nicht zu greifen ist.

Serben foltern Bosnier, Löwen fressen Antilopen, Menschen rennen hinter Götzen und Sekten her und FEIERN, bis die Schwarte kracht. Der 11. September 2001. Sterne explodieren als Supernova oder verdämmern zu einem kalten Stück Eisen. Wahrscheinlich wird alles immer weiter auseinander treiben, die Lichter gehen aus, ab und zu kommt mal ein einsames Photon vorbei.

Ab und zu kommen auch mal die Zeugen Jehovas vorbei. Ich spreche mit ihnen, weil sie freundlich sind und meinen Respekt haben, aber … Vielleicht ist auch alles ganz anders, und ich sehe es nur nicht. Was soll’s. Einstweilen begnüge ich mich damit, wie Kwai-Chang Cane aus der Serie "Kung-Fu" oder der Lehrer aus dem "Club der toten Dichter", den Tag zu nutzen und nicht zu viel nachzudenken. Na ja, ich versuche es.

Hier folgt noch ein kurzer Abriss über die kosmischen Perspektiven und die neusten Erkenntnisse und Theorien, von denen ich gelesen habe.

Im Gegensatz zu all den schwer verständlichen Zusammenhängen, die ich bisher zu schildern versuchte, hängt die Frage nach den Zukunftsaussichten des Universums nur an diesem Ω (Omega). Ich finde, der Name ist genial gewählt. Die Frage ist: Ist Ω kleiner, größer oder gleich eins.

Sollte sich wirklich genug dunkle Materie finden, dass die Masse aller Teilchen die kritische Masse übersteigt, (Ω > 1), so wird die Gravitation das Universum erst sehr langsam, am Schluss aber mit atemberaubender Geschwindigkeit wieder zusammenziehen, wie es in dem Buch von Paul Davies, Die letzten drei Minuten, eindrucksvoll geschildert wird. Ob dann alles in einem Punkt unendlicher Energie und Dichte verschwindet? Oder wieder neu anfängt?

Sollte der nicht eben unwahrscheinliche Grenzfall zutreffen, dass Ω = 1 ist, zumal der Wert auf jeden Fall recht nahe bei 1 liegt, so wird gar nicht viel geschehen: nach sehr langer Zeit wird die Expansion des Kosmos durch die Gravitation abgebremst, und alles kommt zum Stillstand. Das Ergebnis sieht ähnlich aus wie …

Wenn Ω < 1 ist, wenn also die Gravitation nicht ausreicht, um die Expansion zu stoppen, dann geschieht das Erbärmlichste, was ich mir vorstellen kann. Wir werden es nicht erleben, denn es dauert 10n Jahre: Der Kosmos dehnt sich immer weiter aus. Das allein wäre nicht so schlimm, aber irgendwann wird das ganze Material verheizt sein; die Galaxien sind so weit auseinander getrieben, dass sie nicht mehr zu sehen sind, die Sterne haben ihren Kernbrennstoff verbraucht, explodieren oder verdämmern, irgendwann gibt es vielleicht mal eine kleine Explosion, aber niemand wird es sehen. Alles wird kalt, sehr kalt. Zum Schluss werden auch die Protonen zerfallen, und ein Rest von Strahlung …

Um ehrlich zu sein – ich habe die genauen Zusammenhänge vergessen oder verdrängt, und ich sehe auch nicht mehr in den Büchern nach. Jeder, dem ich bisher davon berichtete, sagte: "Was juckt dich das? Wir erleben es eh nicht!" Aber ich hätte ein besseres Gefühl, wenn ich wüsste, da ist dieser Garten, in dem sich alle vertragen und keiner krank wird, und ich käme da rein und dürfte in der Cozmic Band mitspielen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Zum Schluss reiche ich noch einige neuere Fragen und Theorien nach. Sie betreffen vor allem "die erste Sekunde" und die Inflation.

April 2005: Ich lese die Bücher eben wieder. Habe nichts Neues erfahren, aber das Alte wieder etwas besser verstanden. Ein ganz neuer Trost erwächst mir. Papst Johannes Paul II. starb und wurde betrauert; Papst Benedikt XVI. folgt ihm nach. Viele Stunden unbeschreiblicher Bilder im TV; millionenfache Liebe und Verehrung. Diese beiden wunderbaren Menschen widerlegen mir in Kürze viel von der genannten Sinnlosigkeit.

Februar 2008: Mittlerweile sehe ich das alles nicht mehr so düster. Selbsterhaltung? Eine Erkenntnis? Mir wird immer deutlicher, dass diese empfundene Sinnlosigkeit des Lebens und des ganzen Kosmos eine der tödlichsten Krankheiten unserer Gegenwart ist. Ich bin weit davon entfernt, jemanden bekehren zu wollen, aber in genau einem wichtigen Punkt klärt sich der Nebel:

Ich kann mir immer weniger vorstellen, dass alles, was existiert, durch blinden Zufall aus dem Nichts entstanden sein soll und wieder dorthin zurückkehren muss! Diese komplexe Welt setzt meiner Ansicht nach einen Schöpfer voraus. Autos sind auch nicht zufällig von selbst entstanden.

2014, beim Neubau der Homepage. Das mit den Päpsten hat mir nicht wirklich geholfen. Es gibt keinen Beweis für Schöpfer oder Evolution, Sinn und Aufgabe oder völlige Leere. Nun haben sie auch noch die "dunkle Energie" erfunden! Keiner kann sagen, was sie ist, aber sie rechnen und messen damit. Jede Woche kommt im Fernsehen ein Bericht über das absolut herzlose, sinnlose Verdämmern des Kosmos in 10n Jahren. Immer mehr halte ich das für gezielte Propaganda zur weiteren mentalen Zerstörung der Menschen. Aber wer weiss das schon?

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